Neueste Zeit: "Wir" und "Heute" in der Gegenwart

Niemand ist frei von Geschichte

Wir leben in der Neuzeit, genauer gesagt in der Neuesten Zeit (sozusagen in der "Späten Neuzeit"). Anfang und Ende der Frühen Neuzeit werden historisch markiert von der europäischen Entdeckung Amerikas bis zur Französischen Revolution 1789. Die Neuere und Neueste Geschichte werden für den daran anschließenden Zeitraum bis zur Gegenwart (mit zeitlich und räumlich fließenden Übergängen) zusammen auch Moderne genannt. Dies ist der gängige zusammenfassende, geisteswissenschaftliche Begriff für diese Zeit. Die Epoche wird näher unterteilt in:

  • Neuere Geschichte für die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg und der russischen Oktoberrevolution, und
  • Neueste Geschichte für die Zeit seitdem, bzw. Zeitgeschichte, die jüngste Geschichte, aus der es noch Zeitzeugen gibt.

Was ist "die Moderne"?

Der Begriff Moderne in der Geschichte Europas, Amerikas und Australiens bezeichnet einen Umbruch in allen Lebensbereichen gegenüber der Tradition. Der Begriff der Moderne geht tendenziell weit über einen Epochenbegriff – wie etwa den des Mittelalters – hinaus. Er ist also weitergehend als der von Historikern benutzte Epochenbegriff "Neueste Zeit".

In der Querelle des Anciens et des Modernes (1687) war „Moderne“ noch ein Gegenbegriff zu „Antike“. Erst im 19. Jahrhundert wurde es üblich, mit dem Wort Moderne die Gegenwart von der Vergangenheit allgemein abzugrenzen. In der Philosophie fällt die Moderne mit der Aufklärung zusammen.

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Sternennacht, Van Gogh. Der Niederländer Vicent van Gogh (1853-1890) gilt als einer der Begründer der modernen Malerei. (Foto: wikipedia)

Moderne und "Postmoderne"

„In äußerster Vereinfachung kann man sagen: 'Postmoderne' bedeutet, dass man den Meta-Erzählungen keinen Glauben mehr schenkt." (Lyotard, 1979) Die Meta-Erzählungen der Moderne seien: die Aufklärung, der Idealismus und der Historismus. Diese bilden in der Postmoderne (also "nach" [=post] der Moderne) keine vereinheitlichende Legitimation und Zielorientierung mehr. Die Emanzipation des Individuums, das Selbstbewusstsein des Geistes, das im Sinne Hegels in eine Ganzheitsideologie mündet, und die Idee eines sinnhaften Fortschritts der Geschichte hin zu einer Utopie sind die großen Erzählungen der Moderne, denen man nicht mehr glauben könne. Folglich könne es auch kein Projekt der Moderne mehr geben, keine große Idee von Freiheit und Sozialismus, der allgemeine Geltung zu verschaffen ist und der sich alles gesellschaftliche Handeln unterzuordnen habe.

 

Der 11. September 2001 veränderte die Welt

nyc-rivatfotoÜberfahrt nach Ellis Island: Blick auf NYC, Sommer 1999 (Foto: Privatarchiv)

Titel: "Niemand ist frei von Geschichte"

Die Aussage der Überschrift (links oben) fand ich treffend und zugleich erklärend zur häufigen Schüler*innen-Frage, warum man sich für Geschichte interessieren sollte. Weil eben niemand und kein Leben in der menschlichen Gemeinschaft völlig frei von geschichtlichen Entwicklungen seiner Vorfahren oder unabhängig von seiner Umwelt und Gesellschaft ist...

"Niemand ist frei von Geschichte", so lautet auch ein Buch von Helmut Dubiel über Debatten im Deutschen Bundestag zur nationalsozialistischen Herrschaft, u.a. zu beziehen über die:

Landeszentrale für politische Bildung NRW, 40 190 Düsseldorf.

Historiker-Beispiel: Hans-Ulrich Wehler

Hans-Ulrich Wehler (* 11. September 1931 in Freudenberg bei Siegen, † 5. Juli 2014 in Bielefeld) war einer der einflussreichsten deutscher Historiker. Seine fünf- bändige Deutsche Gesellschaftsge- schichte zählt zu den Standardwerken der deutschen Geschichtsschreibung für die Zeit von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1990.

Wehler studierte Geschichte und Soziologie an den Universitäten Köln, Bonn und Athens/Ohio (USA). Er pro- movierte 1960 bei Theodor Schieder über "Sozialdemokratie und National- staat (1840-1914)". Nach seiner Habilitation 1968 blieb er bis 1970 als Privatdozent in Köln, bevor er 1970/71 Professor an der FU/Berlin wurde. Von 1971 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 war er Professor für Allgemeine Geschichte in Bielefeld, wo er bis heute lebt.

Neben seinen fachwissenschaftlichen Arbeiten hat sich Wehler auch immer wieder an historisch-politischen Debatten beteiligt. Dazu zählte im Jahr 1986 sein Eingreifen in den Historikerstreit, in dem er Ernst Nolte für dessen Thesen kritisierte.