2007/2008: meine erste Auszeit

Ein nächstes Sabbatjahr kommt

Wer mich kennt, der weiß, dass ich meinen Job in der Schule gerne mache - das heißt für mich: mir macht dieser Beruf "Sinn". Das heißt aber nicht, dass ich als Lehrer auf die Welt gekommen bin. Vielleicht hätte ich auch "was anderes" werden können?

Vielleicht, vielleicht. Auch wenn der Job nicht so einfach ist, wie es sich mancher vorstellt: einer der großen Vorzüge wurde es in den 1990er Jahren, dass in großen Firmen und im Öffentlichen Dienst die Chance eines Sabbatjahres verankert wurde. Als ich "fester" Lehrer wurde, habe ich es beantragt. Nach einer "Ansparphase" kam es einige Jahre später zu meinem ersten Sabbatjahr: im Schuljahr 2007/2008 war es so weit.

Es lag nahe zu reisen. Was ich auch tat. Und einige "weiße" Flecken auf meiner Landkarte besuchter Länder wurde etwas mehr geschlossen (siehe Karte unter "Reisen"). Aber es war nicht mein Ziel, möglichst viel zu reisen. Stattdessen hatte ich mir vier Schwerpunkte für das Sabbatjahr im Schuljahr 2007/2008 gesetzt:

1. einen längerer Aufenthalt in den USA / Kalifornien, möglichst mit einer Tätigkeit, z. B. als Volunteer,

2. eine einmonatige Rundreise durch den fünften Kontinent Australien ,

3. ein Radio-Praktikum bei RTL / Luxemburg,

4. als Start in das freie Jahr eine Europa-Rundreise zu Verwandten und Freunden.

sabbatjahr

Ich dokumentierte meine Eindrücke in einem Weblog (siehe unten). Solche Reise- und Themenblogs gibt es zwar heute auch noch, aber die Inhalte werden heute tagtäglich via Facebook geteilt. Damals war das noch anders.

Zum Zeitpunkt meines ersten Sabbatjahrs schickte man noch nicht minütig vom Smartphone seine Ortsposition samt Foto via Facebook in die Welt. 2007 war in Deutschland noch die Zeit des Booms von "StudiVZ" bzw. Schüler-VZ. Von Facebook hatten nur wenige gehört. Ich selbst sah während des Sabbatjahres im australischen TV den ersten Bericht zu Facebook, nicht ahnend wie sich dadurch - zusammen mit der technischen Entwicklung durch Smartphones - das mediale und kommunizierende Verhalten revolutionieren würde.

Update: Für das Schuljahr 2015/2016 hatte ich bereits das nächste Sabbatjahr geplant und beantragt. Durch die Fortsetzung des Kooperationsprojekts Schule der Vielfalt mit dem Schulministerium NRW, die verbunden ist mit meiner Projekt-Tätigkeit in der NRW-Fachberatungsstelle, ist mein Sabbatjahr 2015/2016 ausgefallen. Es konnte aus rechtlichen Gründen nicht einige Jahre verschoben werden, sondern musste "rückabgewickelt" werden.

 

Mein Sabbatjahr 2007/2008 zum Nachlesen

Die Themen meines Blogs im Sabbatjahr 2007/2008 waren (eine Auswahl):

  • Australien-Rundreise
  • Autogeschichte I: Mit dem ersten Auto zu Queen Mom
  • Autogeschichte II: Abschied mit viel Tam-tam
  • Freunde 2007/2008
  • Blog nach Monaten: Juni 2007, Juli 2007, August 2007, September 2007, Oktober 2007, November 2007, Dezember 2007, Januar 2008, Februar 2008, März 2008, April 2008, Mai 2008, Juni 2008
  • Gewerkschaftsarbeit im Sabbatjahr
  • San Francisco: Armes, katholische Irland (Buchzitate)
  • San Francisco: Gutes Benehmen
  • San Francisco: Fahrkartenkontrolle auf Amerikanisch
  • San Francisco: US-Sozialpolitik / Arbeit in Kalifornien
  • San Francisco: US-Wirtschaft 2007
  • Verwandtenbesuche
  • Wie meine Liebe zum Radio entstand
  • positiv denken

    (Plakat, San Francisco 2007)

  • Praktika und Reisen im Sabbatjahr

    Am 9. November 2007 veröffentlichte das deutsche Pop-Duo "Ich + Ich" das Lied "Stark". Zu diesem Zeitpunkt begann ich mein Praktikum bei RTL Radio in Luxemburg. Das Lied lief in Schleife und so hörte ich es morgens um 5 Uhr auf dem Weg ins Studio genauso wie im Redaktionsbüro, während ich Texte schrieb. Immer wenn es heute irgendwo läuft, werde ich an diese Zeit im Sabbatjahr erinnert.

    Was bedeutet "Sabbatjahr"?

    Irgendwie schien das Wort "Sabbat- jahr" viele zu irritieren - es ist eine Auszeit. Damals war es noch nicht so gängig. Und so fragten manche nach, ob ich in diesem Jahr ins Kloster ginge, weil es ja vielleicht etwas mit Religion zu tun hat. Hat es nicht. Ich benutze das Wort lediglich, weil es die offizielle Bezeichnung für ein freies Jahr ist, das man sich vorher beim Arbeitgeber "erarbeitet" hat.

    Auf die Arbeitswelt übertragen be- deutet das Sabbatjahr, dass ein Arbeitnehmer nach beispielsweise sechs Jahren den Arbeitsplatz verlässt, um eine Auszeit zu nehmen. Nach dieser Zeit kehrt der Arbeitnehmer gut erholt und mit neuem Schwung in das Unternehmen zurück. Er kann in dieser Zeit Urlaub machen oder sich einen anderen Wunsch erfüllen, z. B. ein Praktikum machen oder an einer längeren Fortbildung teilnehmen. In der Arbeitswelt kann das Sabbatjahr in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten dauern (weil es manchmal weniger als ein Jahr dauert, wird es häufig amerikanisch "Sabbatical" genannt).

    Natürlich muss ein Sabbatjahr finan- ziert werden. Ansparen kann man zum Beispiel, indem man für einen vereinbarten Zeitraum nur einen Teil des Gehalts ausgezahlt bekommt, das heißt: Wer die "Siebtel"-Regelung vereinbart, verzichtet sieben Jahre lang jeden Monat auf ein Siebtel seines Einkommens (und auch auf entsprechende Pensionsansprüche). Das Arbeits- (Unterrichts-) Volumen bleibt unverändert.

    Zurück zum religiösen Ursprung des Wortes. Das Sabbatjahr ist ursprünglich ein Begriff aus dem Alten Testament: Es beschreibt das siebte Jahr, in dem der Acker brachliegt, damit der Boden sich regenerieren kann. Nach dem Sabbatjahr wird wieder eine bessere Ernte erwartet.

    (Der Text entstammt meinem Weblog.)

    Das Titelfoto: Goa (Indien)

    Das Titelfoto "mein sabbatjahr" (links) habe ich vor langer Zeit (vor mehr als 30 Jahren) am Strand von Goa fotografiert während meines ersten und letzten Indien-Besuchs.

    Wenn ich heute die Motivation für meine erste Fernreise rekonstruiere, dann waren ein Buch und ein Film ausschlaggebend. Während wir Anfang der 80er bei meinem Deutschlehrer nicht wie viele andere Schulklassen den Steppenwolf, sondern Dürrenmatt, Frisch und Schiller lasen und ich schließlich in meiner Deutsch-Abi-Prüfung zur vermeintlichen Dekadenz in dieser Zeit referieren sollte, las ich privat Siddartha. In dieser in Indien spielenden Dichtung von Hermann Hesse begeisterte mich wohl das exotisch-fernöstliche Element, Hesses Sprache, seine Revolte gegen Repression und schließlich den im Werk dargestellten Prozess der Individuation - gegen das von der Gesellschaft zugewiesene Schicksal.

    Schließlich kam 1982 "Gandhi" in die Kinosäle. Der Film beschreibt die Lebensgeschichte einer der größten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Der indische Unabhängigkeitskämpfer und nicht minder das Land und die Menschen beeindruckten mich. 1985 machte ich mich dorthin auf den Weg. Resultat: Ich war genauso überwältigt von dem Land wie vorher vom Film.

    Highlights im 1. Sabbatjahr

    hillary-clinton

    Besuch bei einer Wahlkampfveranstaltung von Hillary Clinton 2008, Oakland /Kalifornien

    (Trotz ihrer Vorwahl-Siege in 21 Bundesstaaten, darunter auch in Kalifornien, gelang es Hillary Clinton nicht, sich die Mehrheit der Delegierten der Demokratischen Partei zu sichern. Die Demokaten wählten Barack Obama zu ihrem Kandidaten, der sich bei der US-Päsidentschaftswahl im November 2008 gegen den Republikaner John McCain durchsetzen konnte.)

     

    (Fotos auf dieser Seite: privat)