Bei Gewalt ist Unterstützung gefragt

Orte, Arten und Ursachen von Gewalt

"Du bist nicht allein..." -  zumindest wenn man den wissenschaftlichen Zahlen glauben kann, sind Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen viel häufiger als es allgemein bekannt ist. Dabei handelt es sich nicht selten um Täter aus der Umgebung. Ich möchte daher zuerst von einigen Tatsachen über Gewalt berichten, die auch für deine Umgebung oder dich zutreffen können.

Gewalt gibt es auf dem Schulweg, in Pausen, im Elternhaus. Und es gibt verschiedene Formen von Gewalt. Da wird z. B. von  "Abziehen" gesprochen und Jugendliche erfüllen damit bereits - ohne es zu ahnen - den Straftatbestand räuberischer Erpressung (§ 255 Strafgesetzbuch). Weitere Formen von Gewalt in der Schule sind z.B.:

  • Verbale Angriffe, Beleidigungen, Drohungen, sexuelle Belästigung
  • Intrigen
  • Nötigung (den anderen zu bestimmten Verhaltensweisen zwingen), Erpressung
  • Zerstörung/Beschädigung persönlicher Gegenstände von MitschülerInnen
  • Beschädigung/Entwenden von Unterrichts-/Schulmaterialien (Klassenbuch/Kurslisten)
  • Körperliche Angriffe (Schubsen, Schlagen etc. )
  • "Spaßprügeln"
  • Unterrichtsstörungen mit gesundheitsschädigenden Folgen (Sprays o. ä.)
  • Attacken mit Gegenständen aus dem Klassenraum (Stifte, Mäppchen usw.)
  • Einsatz von Waffen

Ursachen von Gewalt

Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich mit Ursachen und Folgen von Gewalt und bin praktisch engagiert in einem Anti-Gewalt-Projekt. Neben den Fragen der Ursachen von Gewalt geht es auch um Mobbing, Gewaltprävention, die Auswirkungen der Gewalt auf die Betroffenen sowie die Betreuung der Opfer von Gewalt.

Jugendliche (besonders Jungen) sind heute immer häufiger als früher Täter bei Gewalt. Aber genauso sind auch Jugendliche (besonders Jungen) die Opfer von gewalttätigen Übergriffen.

Die Ursachen von Gewalt sind vielfältig, z. B.: größer werdende Armutsviertel, Verschärfung von Jugendkriminalität, falsche Vorbilder (peer groups, "Gangs"), Erziehungsvernachlässigung und Verwahrlosung, Medieneinfluss und Computerspiele.

Wird Gewalt bekannt, ist es nicht selten nur die Spitze eines Eisbergs, denn Realität ist:

     1. Der Anteil von Heranwachsenden (bis unter 21 Jahren) an folgenden Straftaten ist hoch:
58% bei Raub, 41 % bei gefährlicher Körperverletzung... Dabei sind gerade Gleichaltrige die Opfer aller Straftaten von Jugendlichen. Ursachen sind häufig schlechte wirtschaftliche Verhältnisse in den Familien der Täter und wenig Hoffnung der Jugendlichen in die eigene Zukunft.

     2. Hinzu kommt, dass  43% der Jugendlichen in Deutschland zuhause "deftige Ohrfeigen" und 30,6 % eine Tracht Prügel bekommen. Dabei dient das Elternhaus als Vorbild für eigene Gewalt. Zwar wird nicht jeder, den die Eltern hauen, zum Schläger, aber sein Risiko wächst, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

     3. Und falls ein Kind in einer Aussiedler- oder Ausländerfamilie auf wächst, so steigt statistisch nochmals die Gefahr, Gewalt in der Familie zu erleben (auf Gründe wie väterliche Schwierigkeiten in neuer, ungewohnter Umgebung oder Arbeitslosigkeit kann hier nicht näher eingegangen werden).

     4. Die "Schule" selbst trägt Mitverantwortung (wegen häufigen Misserfolgserlebnissen späterer Gewalttäter) - neben Medien: TV und Gewalt verherrlichenden PC-Spiele ...

Gewalt ist hässlich, hat aber viele Gesichter.

gewalt-china ( Foto: wikipedia)

Gewalt in der Schule

In der Schule konzentriert sich die Gewalt, wie sie auch sonst in der Gesellschaft besteht. Die Schule ist also ein "Spiegelbild der Gesellschaft".

Wenn du Gewalt in der Schule oder auf dem Schulweg erlebst (auch als Zeuge/ Zeugin), dann solltest du eine(n) Beratungslehrer(in) oder eine(n) Lehrer(in) deines Vertrauens ansprechen. Dabei solltest du das Wort "vertraulich" benutzen, um deutlich zu machen, dass der/die Lehrer(in) das weitere Vorgehen mit dir im Vertrauen abspricht.

Du kannst auch Hilfsangebote wahrnehmen, bei denen du erst einmal anonym bleibst:

Richtig helfen in einer gefährlichen Situation

hilfe

 

"Jugendliche Täter haben ein Defizit an Anerkennung... `Wer braucht mich?´, ist vielleicht die zentralste Frage im Jugendalter überhaupt."

Prof. Wilhelm Heitmeyer, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielfeld. In: Das Parlament. Nr. 12/13, 15./22.03.2004, Berlin, S. 15