Unterricht und Schule

Referate schreiben und halten

Als ich in einem Forum den Hilferuf einer Schülerin las: "Ich muss am Montag ein Referat halten. Ich habe noch keinen Schimmer", schaute ich mir das Thema an. Es lautete: "Industrialisierung von 1800 - 1899". Obwohl mich diese Zeitangabe selbst ein wenig irritierte, möchte ich an diesem Beispiel das Vorgehen für das Referat erklären.

Woher bekomme ich mein Referat?

Aus deinem Kopf! ;-) ... oder im Internet. Für das schriftliche Referat darfst du keinen "Diebstahl geistigen Eigentums" (= Plagiat) begehen. Dazu lautet mein Lieblingssatz, den ja einige von euch kennen:
"Kopiert ist noch nicht kapiert!" Mit "aus deinem Kopf" meine ich außerdem: wichtig ist bei einem Referat, dass du dir Gedanken machst: Warum habe ich dieses Thema ausgewählt? Was interessiert mich daran? Warum kann es auch für die Anderen interessant sein?

Material sammeln und ordnen

Gehe Schritt für Schritt vor: Versuche zuerst das Wort im Titel des Referates (hier: Industrialisierung) zu verstehen. Du findest bei der Internet- oder Lexikon-Suche verschiedene Erklärungen - sie sind teilweise lang oder kurz, mit vielen oder wenigen Fremdwörtern. Suche dir eine heraus, die du verstehst.
Da es sich bei dem Beispiel um ein geschichtliches Referat mit Zeitangabe handelt, musst du getrennt von "Industrialisierung" nachschauen, was in diesen 100 Jahren wichtiges passierte. Vermutlich hat die Schülerin einfach den gesamten Titel "Industrialisierung von 1800 - 1899" als Suchbegriff eingegeben und gehofft, dass - schwupps - der fertige Text erscheint... weit gefehlt. Also musste sie nachschauen / fragen, gibt es bei meinem "Ereignis" (Industrialisierung) einen Anfang und ein Ende?
Das Referat hat also zwei Aspekte, die die Schülerin als eigene (!) Leistung zusammen bringen muss. Schafft sie das, wird es ein gutes Referat (vielleicht gibt es sogar einen Bezug zum Unterrichtsthema des bei ihr laufenden Geschichtsunterrichts?).

Hinweise zum Verfassen des schriftlichen Referats

Das (schriftliche) Referat braucht Struktur. Dazu gehört:

  • ein Deckblatt (dein Name, Kurs, Lehrer, Thema des Referats, Datum),
  • ein Inhaltsverzeichnis,
  • eine Seitennumerierung,
  • einzelne Kapitel mit Überschriften.

Günstig ist, wenn du MitschülerInnen oder Freunden beim Schreiben dein Text immer mal wieder zum Lesen gibst. Sie sagen oft Dinge, die dir helfen bei deinen eigenen Gedanken und Formulierungen.

Hinweise zum Halten des Referates erhältst du rechts.

Die Beurteilung

Es ist natürlich günstig bis selbstverständlich, wenn der Lehrkraft vorher die Kriterien zur Beurteilung erklärt. Sollte das nicht der Fall sein, überlege dir für dein Referat, was wie beurteilt wird:

a) Wissenschaftlichkeit beachtet (was hast du behandelt? worum geht es?):

  • Richtigkeit (auch Rechtschreibkorrektur!), aktueller Stand des Wissens
  • korrekte Zitate, Quellenangabe(n)
  • kein Plagiatverdacht (also nicht abgeschrieben, kopiert...)
  • sprachliche Angemessenheit (keine Umgangssprache)

b) Eigenständiges Thema (warum dieses Thema?):

  • hast du dir eigene Fragen gestellt und entwickelt?
  • „warum berichte ich dies und nicht anderes?“
  • deine persönliche Sicht wird deutlich und abgewägt:
  • was ging dir durch den Kopf, als du dich mit dem Referat beschäftigt hast?
  • hast du Zusammenhänge (z. B. zu Unterrichtsthemen) erfasst und eingeordnet?

c) Durchdachte Strukturierung (wann kommt was / in welcher Reihenfolge?):

  • Einleitung
  • darstellender Hauptteil
  • Zusammenfassung

d) Gestaltung des Referates:

  • anschaulich mit Bildern, Grafiken
  • Überschriften, Absätze

e) Umfang des Referates (wie viele Seiten?):

  • entsprechend der Vorgabe des Lehrers
  • über/unterdurchschnittlich
  • angemessener Umfang zu den Inhalten

Tipps für das Halten eines Referates

Hinweise zum Halten von Referaten

I. Vorbereitung:

Im Grunde musst du schon beim Schreiben deines Referates daran denken, dass du das Referat später halten (also nicht vorlesen) wirst. Deshalb ist es gut, von Zeit zu Zeit einzelne Abschnitte sich bereits während der Arbeit laut vorzu- lesen.Viele SchülerInnen (auch Erwachsene) trauen sich das nicht, einfach alleine vor sich hinzulesen- deshalb nochmals deutlich die Bitte: Lies dir dein Referat selbst laut vor! Mehrmals!

II. Aufbau (Struktur des Referates):

Baue dein Referat so auf wie ein Fremdenführer seine Stadt vorführen würde: immer nur Schritt für Schritt.
Nimm die Zuhörer "an die Hand", indem du ihnen sagst, wo du hin möchtest und wo du dich gerade im Referat befindest.

Wenn du dann "loslegst", sollte dir selbst klar sein, wo du dich befindest.

Deine Zuhörer werden bewusst oder unbewusst folgendes bemerken (selbst wenn sie vom Inhalt keine Ahnung haben):

III. Körpersprache

Wie sind deine Gestik, Mimik, Körperhaltung, Körperbewegungen?
Hältst du Blickkontakt zu deinen Zuhörern?

IV. Sprechweise

Wie sind die Lautstärke, Pausen, Verlegenheitslaute (ääh,ööööh), Betonungen und das Tempo?

V. Sprache

  • wenn Fremdwörter, dann nur die, die du auch verstehst; am besten du erklärst sie sofort oder kannst sie bei Rückfragen wenigstens erklären (wär ja sonst echt peinlich...)
  • klare Sätze, keine langen Schachtelsätze
  • wenige Schlagwörter sind gut!
  • immer nur aus einem kleinen Wortschatz zu wiederholen ist langweilig.

VI. Inhalt

Inhalt, Sprache und Aufbau gehören eng zu einander. Es sollte immer übersichtlich und sachlich bezogen bleiben, was du sagst. Und Wesent- liches sollte von Unwesentlichem unterscheidbar bleiben.

Plagiat - was ist das?

Der Politiker Theodor zu Guttenberg musste zurücktreten, weil man in seiner Doktorarbeit viele Plagiate entdeckte - er hatte also seinen Doktorvater belogen, in dem er so tat, als seien die Texte in seiner Arbeit von ihm selbst. Guttenberg räumte Fehler in der Dissertation ein, bestritt aber vorsätzliche Täuschung. Eine Untersuchungskommission der Universität Bayreuth stellte in einem am 11. Mai 2011 veröffentlichten Bericht eine Täuschungsabsicht Guttenbergs fest.

Ein Plagiat ist also geistiger Diebstahl: "Ein Plagiat ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes", liest man bei wikipedia. Klar: Vieles wurde schon "vorgedacht", aber es ist deine Leistung, wie du zum Beispiel dein Referat aufbaust, welche Kapitel es gibt und wie du Sätze formulierst.

Wie verhinderst du ein Plagiat?

Ganz einfach: Alles, was du wörtlich übernimmst, gehört in Anführungsstriche- und anschließend dahinter (oder als Fußnote) die Angabe des Urspungs der Quelle. Als Beispiel kannst du dir unten auf meiner Seite "fremd sein" das Zitat des Textes von Kübra Yücel anschauen. Es ist ein langes Zitat, weil ich ihre Gedankengänge als ihr Eigentum auch wieder geben wollte. Es gibt aber auch Auslassungen, die "(...)" gekennzeichnet sind. Bei einem Zitat darf die Rechtschreibung oder Grammatik keine Veränderung erfahren.

Wenn du aus Büchern zitierst, lautet die Quellenangabe: Name, Vorname: Titel. Untertitel. Auflage. Verlagsort: Verlag, Jahreszahl (= Reihe), Seitenangabe (bei zwei Seiten: f., bei mehreren folgenden Seiten: ff.).

Wenn du aus einer Zeitschrift zitierst, nennst du zuerst die Person, die in der Zeitschrift den Text geschrieben hat: Name, Vorname: „Titel. Untertitel". In: Name, Vorname (Hg.): Titel. Untertitel. Auflage. Verlagsort: Verlag, Jahreszahl (= Reihe). Seitenangabe.