Sowi- Unterricht: Themen der 11. Klasse

Beispiel: (Rechts-) Extremismus

"Nazi" ist ein Schlagwort, auf das Jugendliche gelegentlich treffen, verbunden mit einer vagen Vorstellung davon, was dahinter steckt. Für einige ist jeder, der ausländerfeindlich ist, ein "Nazi". Dass Ausländerfeindlichkleit allein aber nicht schon einen Nazi ausmacht und dass jemand in gewisser Weise auch "Neonazi" (neo = neu) sein kann, ohne Deutscher zu sein, soll hier näher beschrieben werden.

Die Ideen von "Nazis" werden politisch gesehen dem "Rechtsextremismus" zugeordnet. Extremismus beschreibt in der Politik bestimmte Gruppen, die in ihren Zielen und teilweise fanatischen Methoden grundlegend von den Werten der jeweils bestehenden Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung abweichen. Was neben der herrschenden Politik liegt, wird als "links-" oder "rechtsextremistisch" bezeichnet. Welche Ideen mit eher "rechts" verbunden sind, kannst du anhand der fett gedruckten Überschriften auf dieser Seite sehen (siehe unten).

Rechtsextremistische Vorstellungen gibt es in jedem Land der Welt. Die unten beschriebenen rechtsextremen Merkmale bei deutschen Rechtsextremisten wie Nationalismus und Rassismus sind sehr gut vergleichbar mit denen von Rechtsextremisten in anderen Ländern (z. B. in der Türkei mit den "grauen Wölfen" der rechtsextremen Partei MHP, Milliyetçi Hareket Partisi, oder in Frankreich mit der "Front National").

neonazis

Neonazi-Aufmarsch am 2.4.2005 in München (Foto: wikipedia, Photograph: Rufus46)

Die Grenze zwischen Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus ist fließend. Zu Unrecht wird der Extremismus häufig mit Radikalismus gleichgesetzt. Auch radikale politische Ideen haben in unserer demokratischen Gesellschaft ihren Platz - solange die Grundprinzipien der Verfassung nicht verletzt werden: also zum Beispiel das Recht der anderen auf Meinungsfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Der Verfassungsschutz hat Ende 2003 in Deutschland rund 41.500 Rechtsextremisten gezählt. Als gewaltbereit gelten davon etwa 10.000. Rechtsextremismus ist jedoch kein in sich geschlossenes Weltbild. Es gibt verschiedene Ausrichtungen. Rechtsextreme Weltbilder erwachsen weltweit in erster Linie aus zwei Wurzeln: Nationalismus und Rassismus.

Nationalismus
Rechtsextremisten streben eine so genannte "Volksgemeinschaft" an, in der die Rechte und Interessen des Einzelnen hinter dem Wohl der Gemeinschaft zurückstehen. Die Zugehörigkeit zu einer Nation oder "Rasse" und der Nutzen des Individuums für diese Gemeinschaft machen den Wert eines Menschen aus. Die Interessen der eigenen Nation stehen dabei klar über den Interessen anderer Länder.

Rassismus
Rechtsextreme verneinen die Gleichheit aller Menschen. Sie sind der Überzeugung, dass eine friedliche und gleichberechtigte Koexistenz verschiedener Völker und "Rassen" unmöglich ist - zumindest in einem Land. Ihrer Meinung nach gilt das biologisch begründete "Recht des Stärkeren", das auch den Einsatz von Gewalt rechtfertigt.

Ausländerfeindlichkeit / Fremdenfeindlichkeit
Mit dem aggressiven Nationalismus geht eine menschenverachtende Fremdenfeindlichkeit einher, die sich insbesondere gegen Asylbewerber, Migranten und Bürger ausländischer Abstammung und in den letzten Jahrzehnten auch wieder vermehrt gegen Menschen anderen Glaubens richtet (bes. Islamophobie). Zur "deutschstämmigen Nation" zählen nach Ansicht der deutschen Rechtsextremen weder deutsche Juden, noch von Ausländern abstammende oder eingebürgerte Deutsche.

Antisemitismus
Wie in der Ideologie der Nationalsozialismus von 1933-1945 ist heute ein weiteres Kennzeichen des weltweiten Rechtsextremismus der offene oder verdeckte Antisemitismus - der Hass gegen alle Menschen jüdischen Glaubens.

11.1 - die Themen in Sowi laut schulinternem Lehrplan


Politische Strukturen und Prozesse in Deutschland

• Eine Einführung in das politische System der Bundesrepublik und in die grundlegenden Medien des Sozialwissenschaftsunterrichtes

(Wie bilde ich meine politische Meinung? Politisches System: Wahlen, Parteien, Politiker, Regierung, Opposition, Namen der Kanzler und Präsidenten, Wählen mit 16?, Grundgesetz, Rechtsstaatsprinzip, Föderalismus; Medien: politische Analyse von Zeitungen, Magazinen, TV-Sendungen; politische Beeinflussung, Internet. Demokratietheorien, plebiszitäre Elemente, Volksentscheide, Bürgerrechte, Grenzen der Demokratie, Grenzen von Mehrheitsentscheidungen)

• Grundprinzipien der deutschen Demokratie
• Verfassungsgrundsätze des Grundgesetzes / Demokratiekonzepte und Grundlagen des GGs

11.2 - die Themen in Sowi laut schulinternem Lehrplan

Marktwirtschaft: Produktion, Konsum, Verteilung

• Marktsystem, Funktion von Preisen und Wettbewerb; optimale Ressourcen – Allokation (Wirtschaftskreislauf, Grundzüge der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, Rolle des Staates, staatliche Interventionsmöglichkeiten, Ideengeschichte der sozialen Marktwirtschaft, freie Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Preisbildung, Marktungleichgewicht, Angebot und Nachfrage, Meinungen von Parteien, Verbänden und Wissenschaftlern, Unternehmens- und Vermögenskonzentration)
• Zusammenhang von Produktion, Einkommen, Konsum
• Grenzen des Marktsystems: Konzentration, Krisen, ökologische Fehlsteuerung
• Rolle des Staates in der sozialen Marktwirtschaft


Individuum, Gruppe und Institutionen

• Sozialisation des Individuums in sozialen Gruppen und Institutionen (Jugend, Familie, Senioren, Generationenkonflikte, Werteverfall, Rollenverhalten, Rollenerwartung, Sozialisation, Emanzipation, Individualisierung, Toleranz, Solidarität, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Familienpolitik verschiedener Parteien)

• Rollenhandeln: strukturfunktionalistische und interaktionistische Rollentheorie

• Sozialisation und Generationenkonflikte
• Soziale Gruppen und Institutionen: institutions-organisationssoziologische Grundkenntnisse

Extremisten verstehen keinen Spaß

Stichwort "Skinheads"

Viele Neonazis kommen heute bieder daher, also man erkennt sie nicht auf den ersten Blick. Aber die auf- fallenden "Sknheads" gibt es auch weiterhin. Die zunächst eher unpolitische Jugendbewegung der Skinheads geriet Anfang der 1980er-Jahre zunehmend unter den Einfluss rechtsrextremistischer Organisationen. Seit Anfang der 90er-Jahre bilden rechts-extremistische Skinheads die zahlenmäßig größte Gruppe der gewaltbereiten Rechtsextremisten in Deutschland. Besonders attraktiv wirkt diese Szene auf Jugendliche durch die spaßorientierte Haltung ihrer Anhänger. Der Besuch von Skinhead-Konzerten, exzessiver Alkoholkonsum und eine durch Provokation und Vandalismus zur Schau gestellte Gewaltbereitschaft spielen dabei eine große Rolle. Das Weltbild rechtsextremer Skinheads besteht zumeist aus nationalistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Versatzstücken.

Wichtig für den Zusammenhalt der Szene sind die konspirativ organisierten Skinhead-Konzerte. Sie vermitteln den Jugendlichen ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, verstärken die Bindung an die Szene und dienen dem Informationsaustausch. Die Kommunikation innerhalb der Szene läuft zudem über Magazine und heute meistens auch über einschlägige Internetforen, Facebookgruppen und Chats.

Weitere Infos:

"Um zu widerstehen, mus man einen Kern haben, eine Über- zeugung, muss man sich trauen können, muss man kritisch denken können, muss man ein selbstständiger Mensch sein ...

Die allgmeine Passivität, der Mangel an gestaltender Mitwirkung bei den eigenen und sozialen Lebensentscheidungen - das ist der Boden, auf dem Faschismus wachsen kann. Oder Bewegungen ähnlicher Art, für die wir die Namen meistens erst nachträglich finden." (Erich Fromm, Rechtschreibung angepasst)

Allgemeine Kennzeichen von Extremismus

Wie erkenne ich einen "Extremisten"? Extremisten gehen in ihrer politischen Sicht häufig von einem "Endkampf" aus - der politischen Gegnern gegen die eigenen Befürworter.

Die politische Ausrichtung - ob links, rechts, vermeintlich religiös, mag auffallend unterschiedlich sein, aber es eint Extremisten, dass sie den demokratischen Verfassungsstaat ablehnen und beseitigen wollen.

"Alle Varianten des E. [Extremismus] negieren demzufolge die Pluralität der Interessen, das damit verbundene Mehrparteiensystem und das Recht auf Opposition. Der E. ist gekennzeichnet (...) durch Freund-Feind-Stereotypen, durch ein hohes Maß an ideologischem Dogmatismus und in der Regel durch ein Missions- bewusstsein: Wer vom Glauben an ein objektiv erkennbares und vorge- gebenes Gemeinwohl beseelt ist und sich im Besitz vermeintlich objektiver Gesetzmäßigkeiten wähnt, kann die Legitimität unterschiedlicher Meinungen und Interessen schwerlich dulden. Meistens ist auch die Akzeptanz von Verschwörungstheorien für extremistische Bestrebungen charakteristisch: Der eigene Misserfolg wird mit der Manipulation finsterer Mächte erklärt. Der Begriff E. ist für antidemokratische Ideologien und Bewegungen besser geeignet - weil weniger konnotativ vorbelastet - als der des Radikalismus, welcher in der BRD in den ersten zwei Jahrzehnten für extremistische Bestrebungen weite Verbreitung gefunden hat und heute teilweise immer noch synonym gebraucht wird.

Die Formen des E. sind höchst vielfältig: So kann man nach der Art der eingesetzten Mittel ebenso unterscheiden wie nach den politischen Zielen. Wer politische Gewalt systematisch einsetzt, ist ein Terrorist. Am anderen Ende des politischen E. steht der Befürworter strikter Legalitätstaktik. Er bewegt sich im Rahmen der Legalität und verwirft Gewaltanwendung. Dazwischen sind jene Positionen angesiedelt, die Gewalt prinzipiell begrüßen, sie aber in der Praxis aus taktischen Gründen vorerst ablehnen. Die Antwort auf die Gewaltfrage ist damit kein trennscharfes Kriterium für die Abgrenzung von Extremismus und Demokratie." (Text: BpB)