Sollen SchülerInnen den Unterricht von LehrerInnen beurteilen?

Diese Diskussion wird zwischen Lehrern, in den Hochschulen und der Politik mit dem Stichwort "Evaluation"* schon lange geführt. 

Ich selbst habe schon häufig am Ende des Schuljahres anonyme Bögen verteilt, eingesammelt und die Ergebnisse auf Wunsch der Lerngruppe vorgelesen, denn ich meine:

Begründete Unterrichtsmeinungen von Schülerinnen und Schülern sind häufig hilfreich, um unbeabsichtigte Fehler abzustellen oder nicht weit genug /anders gedachte Unterrichtsverläufe zu verändern. Nur selten ist eine zweite pädagogisch oder didaktisch ausgebildete Person im Unterricht, die mit dem Lehrer / der Lehrerin reflektiert.

So sind doch die Schüler "natürliche" Spezialisten von Unterricht: fast jede 45 Minuten erleben sie eine neues Konzept und einen neuen Akteur. Der Vorteil von Schüler-Bewertungsbögen: der Lehrer kann entscheiden, wie er damit umgehen möchte: Mache ich es transparent? Wie viel will ich selbst ändern? Evaluation ist häufig eingebettet in ein Konzept von Sanktionen. Hier ist das nicht der Fall.

Diese beiden Bögen setzte ich ein: Bogen 1 bezieht sich stark auf die Unterrichtsmethoden und Bogen 2 lässt die SchülerInnen das Lehrerverhalten reflektieren:
   
Bogen 1

Bogen 2

Darüber hinaus habe ich mit Sowi-SchülerInnen im Jahr 2001 eine Befragung in zwei Klassen durchgeführt, worin sich die Erwartungen an das Lehrerverhalten widerspiegelten. 

Ein kleiner Einwand:
Was für die Hochschule für Studis noch hilfreich sein mag (meinprof.de), öffentliche Rankings* von Lehrerinnen und Lehrern wie in den USA (siehe unten: mein Urlaubsfoto aus Florida) sind grundsätzlich abzulehnen, genauso wie Schul-Rankings. 


(Plakat-Aushang: Flughafen Orlando/Florida, 2005)


*Worterklärung: Ranking
Ranking bedeutet "Rangordnung".
Suchmaschinen erstellen typischerweise solche Ranglisten oder auch die "Charts" bei dösigen Klingeltönen. Eine solche Rangfolge ist das Ergebnis einer Sortierung von mehreren - und jetzt kommt das Entscheidende - vergleichbaren Objekten, die mit einer vergleichbaren Bewertung zusammen hängt. Daher auch meine Kritik an den oben genannten Rankings.

*Worterklärung: Evaluation
Evaluation bedeutet so viel wie Bewertung, hier also: Beurteilung von Unterricht (oder ganzen Unterrichtsprogrammen oder Bildungseinrichtungen). In allen Bundesländern haben die Kultusbehörden in den letzten Jahren Programme zur Selbst- und Fremdevaluation (Qualitätsprüfer/ Schulinspektoren) von Schule und Unterricht gestartet.
 


"Unterrichtskritik":  Frank G. Pohl: www.frankpohl.de - fgp - Version 4 -  2007